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Werden junge Menschen psychisch kränker?

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Werden junge Menschen psychisch kränker?

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen bekommt zunehmend Aufmerksamkeit. Dabei stellt sich die Frage, ob sie heute tatsächlich psychisch kränker sind als früher. Psychische Probleme werden heute besser erkannt und häufiger diagnostiziert; gleichzeitig zeigen Untersuchungen zunehmende psychische Belastungen bei jungen Menschen.


Zu den häufigsten psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen gehören Angststörungen, Depressionen, Stress, Essstörungen sowie Entwicklungsstörungen wie AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und Autismus-Spektrum-Störungen. Besonders bei AD(H)S und Autismus ist es wichtig, zwischen einer tatsächlichen Zunahme der Erkrankungen und einer Zunahme der Diagnosen zu unterscheiden. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) werden diese Störungen heute häufiger erkannt, weil das Wissen darüber größer geworden ist und Diagnosemöglichkeiten verbessert wurden.


Die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts zeigt, dass psychische Auffälligkeiten und emotionale Probleme bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiges Gesundheitsthema sind. Besonders Jugendliche sind von Stress, Ängsten und depressiven Symptomen betroffen, was sich auch auf Schule und soziale Beziehungen auswirken kann. Eine besondere Belastung erleben Kinder, die in Familien mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen aufwachsen. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) weist darauf hin, dass Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen ihrer Eltern konfrontiert sind. Solche familiären Belastungen können dazu führen, dass Kinder mehr Verantwortung übernehmen müssen, sich Sorgen machen oder Schwierigkeiten haben, über ihre Gefühle zu sprechen. Die Ursachen für die zunehmenden psychischen Belastungen sind vielfältig. Viele Kinder und Jugendliche erleben Leistungsdruck in der Schule, hohe Erwartungen, Konflikte im familiären Umfeld oder Schwierigkeiten im Umgang mit sozialen Medien. Cybermobbing und ständige Vergleiche im Internet können das Selbstwertgefühl negativ beeinflussen. Auch die Folgen der Corona-Pandemie haben bei vielen jungen Menschen Gefühle von Einsamkeit, Unsicherheit und Überforderung verstärkt.

Im schulischen Alltag ist frühe Unterstützung besonders wichtig
Schulbegleiter*innen geben Orientierung und unterstützen die Teilhabe am Unterricht und sozialen Leben. Die Zusammenarbeit von Schule, Eltern und Fachkräften hilft, Schwierigkeiten früh zu erkennen und passende Hilfen anzubieten. Prävention und Aufklärung sind wichtig, um die psychische Gesundheit zu stärken. Kinder sollten wissen, dass psychische Probleme keine Schwäche sind und Unterstützungsangebote wie „Hilfen im Netz“ zur Verfügung stehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kinder und Jugendliche nicht grundsätzlich „kränker“ sind als früher. Jedoch werden psychische Belastungen häufiger wahrgenommen und ernst genommen. Die Aufgabe von Familien, Schulen und Fachkräften ist es, junge Menschen zu unterstützen, ihre Ressourcen zu stärken und ihnen eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen.

Welche psychischen Erkrankungen und Störungen treten bei Kindern und Jugendlichen häufig auf?
Wie bereits beschrieben, können psychische Erkrankungen und Störungen Kinder und Jugendliche in verschiedenen Lebensbereichen erheblich beeinträchtigen. Im Folgenden wird daher ein kurzer Überblick über wichtige Erkrankungen und Störungen im Kindes- und Jugendalter gegeben.

Psychische Erkrankungen
Angststörungen Angst gehört zu den normalen menschlichen Emotionen und erfüllt eine wichtige Schutzfunktion. Von einer Angststörung spricht man jedoch, wenn Ängste übermäßig stark, langanhaltend oder unbegründet auftreten und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Die Entstehung wird durch biologische, psychische und soziale Faktoren beeinflusst. Betroffene Kinder zeigen häufig übermäßige Sorgen, Nervosität, Schlaf- und Konzentrationsprobleme oder körperliche Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen. Dadurch können soziale Kontakte und der Schulalltag beeinträchtigt werden.

Depressionen
Eine Depression ist mehr als eine vorübergehende Traurigkeit. Sie ist eine psychische Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst. Die Ursachen sind meist multifaktoriell. Betroffene zeigen häufig eine anhaltend niedergeschlagene Stimmung, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme sowie sozialen Rückzug. Im Schulalltag kann sich dies unter anderem durch Leistungsabfall, Motivationsverlust und Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen bemerkbar machen.

Essstörungen
Essstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen das Essverhalten und die Wahrnehmung des eigenen Körpers gestört sind. Zu den häufigsten Formen gehören Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung. Neben biologischen und psychischen Faktoren können auch gesellschaftliche Schönheitsideale eine Rolle spielen. Soziale Medien können diesen Druck zusätzlich verstärken. Betroffene beschäftigen sich häufig stark mit Gewicht und Körperbild und zeigen ein auffälliges
Essverhalten. Essstörungen können sowohl die körperliche Gesundheit als auch die soziale und schulische Entwicklung beeinträchtigen.

Zwangsstörungen
Kinder und Jugendliche mit einer Zwangsstörung erleben immer wieder aufdrängende Gedanken oder verspüren den Drang, bestimmte Handlungen ständig zu wiederholen. Obwohl sie diese als belastend empfinden, können sie sie nur schwer kontrollieren. Typische Zwangsgedanken beziehen sich beispielsweise auf Schmutz, Krankheiten oder Fehler, während sich Zwangshandlungen häufig durch wiederholtes Händewaschen, Kontrollieren oder Ordnen äußern. Diese Zwänge können den Schulalltag, soziale Beziehungen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen zeigen sich durch länger anhaltende auffällige Verhaltensweisen wie Aggressivität, starke Wutausbrüche, wiederkehrende Konflikte oder Schwierigkeiten beim Einhalten von Regeln. Einzelne auffällige Verhaltensweisen bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine Störung vorliegt; entscheidend sind unter anderem Dauer, Intensität und die Beeinträchtigung des Alltags. Die Ursachen können biologischer, psychischer und sozialer Art sein. Im pädagogischen Alltag sollten solche Verhaltensweisen daher nicht vorschnell als „Ungehorsam“ oder „schlechtes Benehmen“ bewertet, sondern im Zusammenhang mit der individuellen Situation des Kindes betrachtet werden.

Neuroentwicklungsbedingte Störungen
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S)
AD(H)S ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die meist bereits im Kindesalter beginnt. Zu den typischen Merkmalen gehören Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme, Impulsivität, Hyperaktivität, eine niedrige Frustrationstoleranz sowie Schwierigkeiten bei der Selbstregulation. Im Schulalltag kann es betroffenen Kindern schwerfallen, längere Zeit konzentriert zu arbeiten, Aufgaben zu organisieren, abzuwarten oder ihre Impulse zu kontrollieren. Nicht alle Kinder zeigen jedoch eine ausgeprägte Hyperaktivität; manche wirken eher verträumt, ruhig oder in sich gekehrt. Neben diesen Herausforderungen können Kinder mit AD(H)S individuelle Stärken wie Kreativität, Hilfsbereitschaft, Sensibilität, Spontanität oder Ideenreichtum zeigen. Daher ist es wichtig, auch die persönlichen Ressourcen des Kindes wahrzunehmen.

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die sich bei jedem Menschen unterschiedlich zeigen kann. Typische Merkmale betreffen die soziale Kommunikation und Interaktion, intensive Interessen, wiederholende
Verhaltensweisen sowie eine veränderte Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen. Viele autistische Kinder benötigen feste Routinen und vorhersehbare Abläufe; Veränderungen oder starke Sinnesreize können zu Überforderung führen. Im Schulalltag können außerdem Schwierigkeiten beim Verstehen sozialer Situationen oder ein erhöhter Zeitbedarf bei der Verarbeitung von Informationen auftreten. Gleichzeitig können individuelle Stärken wie logisches Denken, Genauigkeit, Konzentrationsfähigkeit oder besondere Interessen vorhanden sein. Hilfreich sind klare Kommunikation, verlässliche Strukturen und die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Kindes.

Verknüpfung mit AD(H)S und Autismus: Komorbiditäten
Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) bei Autismus
Autismus tritt häufig gemeinsam mit weiteren psychischen oder körperlichen Erkrankungen auf; rund 70 % der Menschen im Autismus-Spektrum haben mindestens eine Begleiterkrankung. Gleichzeitig können Symptome durch diagnostische Überschattung übersehen oder fälschlich dem Autismus zugeschrieben werden. Auch Masking kann viel Energie kosten und psychische Belastungen wie Depressionen oder Angststörungen begünstigen. Für eine gute medizinische Versorgung bedeutet das: Menschen mit einer Autismus-Diagnose – oder dem Verdacht darauf – sollten gezielt und regelmäßig auf mögliche Komorbiditäten untersucht werden.

Komorbiditäten bei AD(H)S
Menschen mit AD(H)S gelten aufgrund genetischer Faktoren und belastender Lebenserfahrungen als besonders vulnerabel. Wiederholte Ablehnung, Konflikte und schulische Schwierigkeiten können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und das Risiko für
Angststörungen, Depressionen und psychosomatische Beschwerden erhöhen. Zudem können sich AD(H)S-Symptome im Lebensverlauf verändern, wodurch der Zusammenhang später schwerer erkannt wird. Im Kindesalter sind die Begleiterkrankungen gut erforscht. Eine frühzeitige und umfassende Diagnostik ist entscheidend. AD(H)S und mögliche Begleiterkrankungen sollten gemeinsam betrachtet und behandelt werden, da sie sich gegenseitig beeinflussen und verstärken können.

Häufigkeit ausgewählter Begleiterkrankungen:
• AD(H)S: ca. 30 %
• Angststörungen: ca. 40 %
• Depressive Episoden: ca. 26 %
• Schlafstörungen: ca. 40 %
• Epilepsie: ca. 8 %
• Verdauungsprobleme: ca. 25 %
• Tics /Tourette: ca. 6 %

Besonders häufig treten auf:
• Lese-Rechtschreib-Störung: bis 30 %
• Rechenstörung: bis 30 %
• Tics/Tourette: 10-20 %
• Autismusspektrumstörung: 10-15 %
• Zwänge
• Erhöhte Unfallrate durch impulsives Verhalten
• Störung des Sozialverhaltens/oppositionelles Verhalten
• Schlafstörungen

 

 

 

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